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Resümee zum Parlamentarischen Abend d. Ingenieurrates M-V am 13. Oktober 2015

von Rolf Schmidt, Sprecher d. Ingenieurrates M-V, Vorstandsmitglied der Ingenieurkammer M-V

Sehr geehrte Kammerkolleginnnen und Kammerkollegen,

am 13. Oktober fand der Parlamentarische Abend des Ingenieurrates M-V im Schweriner Schloss statt. Der Abend stand unter dem Thema: „Der Ingenieur – Berater oder Lieferant?“. Als aktueller Sprecher des Ingenieurrates M-V oblag mir die Moderation des Abends, so dass ich Ihnen an dieser Stelle gern darüber berichten möchte. In unserer Einladung an die Parlamentarier des Landtages Mecklenburg Vorpommern heißt es dazu:

„Mit der Frage „Der Ingenieur – Berater oder Lieferant?“ möchten wir auf ein sich leider mehr und mehr verstärkendes Defizit in unserer Gesellschaft hinweisen, den Wegfall menschlicher Kommunikation und damit unabhängiger Beratung des Kunden bei der Produktauswahl. Dazu gehört auch das Bauwesen und damit das Feld der Vergabe Freiberuflicher Leistungen an Architekten und Ingenieure. Mit dem Vergabegesetz M-V (VgG) und der neu damit verbundenen Zuordnung zur Verdingungsordnung für Lieferleistungen (VOL) anstelle von Dienstleistungen werden die Auswahl des Ingenieurs und die Vergabe von Fördermitteln in Mecklenburg-Vorpommern nur noch und ausschließlich dem (Liefer)Preis unterworfen, ohne tatsächlich den Leistungsinhalt mit hoher Wichtung zu bewerten. Wir werden dadurch den Klein- und Mittelstand nicht wie erklärt fördern, schon gar nicht schützen, sondern abschaffen!

Der Beratende Ingenieur, als Fachberater zur optimalen Lösungsfindung (auch wirtschaftlich!) geht verloren. Es interessiert nur noch die korrekte Vergabe, nicht mehr, ob bestmögliche Wirtschaftlichkeit und Produktqualität erreicht werden.

Für diese Philosophie steht der Ingenieurrat Mecklenburg-Vorpommern nicht!“

Das Grußwort der Parlamentarier überbrachte unsere 1.Vizepräsidentin des Landtages Frau Beate Schlupp. Schon aus dem Grußwort ging erfreulicherweise deutlich hervor, dass man sich auf Seiten der Parlamentarier mit der Thematik insgesamt intensiv beschäftigt und den Verlust der Beratungsleistung und damit letzendlich auch der Qualität am Bau auf keinen Fall hinnehmen möchte. Frau Schlupp ging sehr ausführlich auf unseren Berufstand ein und würdigte detailliert die Leistungen unserer Ingenieurinnen und Ingenieure.

Als 1. Gastredner des Abends wagte der Diplompsychologe Jörg Klingohr einen „Seiteneinstieg“ mit dem Thema „Ein ungezwungener Blick auf die Wirtschaftskultur – MV“. Dieser Einstieg ist ihm vollauf gelungen und hat jeden der Anwesenden berührt und zum Nachdenken angeregt. Wirtschaftsethik und Moral, die Vergabe der Ingenieurleistung als wirtschaftskulturelle Frage und unsere Identität mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern waren Schwerpunkte seines Vortrags, der vor allem auch die kulturelle, menschliche Seite des Umgangs miteinander vertieft hat.

Unser 2. Gastredner, Herr Dipl.-Ing. Ingolf Kluge, Vizepräsident der Bundesingenieurkammer, hatte die Aufgabe, dass Thema des Abends „Der Ingenieur – Berater oder Lieferant“ intensiv zu hinterfragen. Dieses umfängliche Thema in weniger als einer halben Stunde den Parlamentariern näher zu bringen, war und ist ganz sicher keine einfache Aufgabe. Herrn Kluge ist dieses „Podbury“ mit vielen notwendigen Beispielen, Vergleichen und vor allem Hintergrundinformationen ausgezeichnet gelungen, wie sich auch später in den Diskussionsbeiträgen der Parlamentarier und den Gesprächen am Abend nachhaltig zeigte.

Wenn man so will als 3. Redner, habe ich mit dem einen oder anderen Diskussionsbeitrag die Thematik untersetzt, so am Beispiel der Vergabe von Bauüberwachungsleistungen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur oder auch bei der Vergabe von Leistungen der Bauwerksprüfungen. Vor allem das fehlende Herzblut für das Produkt „Bauwerk“ wurde meinerseits kritisiert, denn viele Vergabestellen meinen leider, dass mit der Haftung der am Bau Beteiligten automatisch und von allein Qualität entsteht. Mit der Vergabe der Bauleistung scheint man auf der Seite der Bauherren schon „fertig“ mit dem Bau zu sein. Später hält sich Bauwerk Straße oder Brücke oder … dann von allein instand und eine Begutachtung mit dem Fernglas (tatsächlich!) reicht aus – das wollen wir ändern!

Als Ausblick meinerseits vorgetragen und nicht zu vergessender und wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit des Ingenieurrates ist auch die Nachwuchsarbeit. Zusammen mit dem VDI M-V und den Fachhochschulen Wismar, Stralsund und Neubrandenburg, wird der Ingenieurrat den Tag der Technik des VDI im Jahr 2016 erstmalig jährlich an 4 Standorten (Wismar, Rostock, Stralsund, Neubrandenburg) durchführen. Damit wird für diese wichtige Nachwuchsveranstaltung der Wiedererkennungseffekt für Lehrer und Schüler für das Heranführen an den Technikberuf ab der 7. Klasse in M-V sehr gut unterstützt.

Ein Tag nach dem Parlamentarischen Abend, nach vielen abendlichen Gesprächen, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir das Verständnis für das Thema allerseits intensiv und nachhaltig voran bringen konnten. Zeitlich genau richtig vor der aktuell anstehenden Novelle des Vergabegesetzes im Landtag wurden weitere Gespräche und Anhörungen mit den Abgeordneten verabredet.

Abschließend möchte ich mich bei allen aktiven Unterstützern des Abends, allen voran Steffen Güll und Markus Siggelkow, bei allen Parlamentariern, allen Gästen und der Geschäftsstelle der Ingenieurkammer für einen sehr gelungenen Abend mit intensivem und offenem Meinungsaustausch bedanken.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Rolf Schmidt
Sprecher des Ingenieurrates M-V
Vorstandsmitglied der Ingenieurkammer M-V

P.S. Alle Vorträge fnden Sie auf der Webseite der Ingenieurkammer M-V in der Rubrik Ingenieurrat unter „Aktuelles“. Und in der „Fotogalerie“ können Sie einige Impressionen des Abends erleben (Fotos: U. Wille).

Datum: 19. Oktober 2015

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